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Meldung vom 15.10.2026 / DEG

Stabile Partner in volatilen Zeiten – Eva Miriam Fuchs und Jan Müller im Interview über das deutsche Geschäft der DEG

Zwei Mitarbeitende stehen in einem modernen Bürogebäude vor einer Glaswand.
Jan Müller und Eva Miriam Fuchs, Abteilungsleitung German Business bei der DEG

Seit Mitte 2026 leiten Eva Miriam Fuchs und Jan Müller im Tandem die Abteilung German Business der DEG. Im Interview sprechen sie darüber, wie die DEG deutsche Unternehmen bei Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützt und welche Auswirkungen die geopolitische Lage auf das Auslandsgeschäft hat. Außerdem erklären sie, warum neben langfristiger Finanzierung und lokaler Präsenz auch hohe Umwelt- und Sozialstandards zum Erfolg von Auslandsinvestitionen beitragen.

Ihr leitet gemeinsam die Abteilung German Business. Wie bringt ihr euch persönlich bei dieser Aufgabe ein?

Eva Miriam Fuchs: Wir sind beide schon lange in der Entwicklungsfinanzierung, kennen das Haus sehr gut und haben in unterschiedlichen Regionen der Welt viel Geschäft begleitet. Dabei ergänzen sich unsere Erfahrungen und Perspektiven sehr gut. Unser gemeinsames Ziel ist es, das Geschäft mit deutschen Unternehmen weiter voranzubringen. Denn die Arbeit eines internationalen Entwicklungsfinanzierers mit klarem Fokus auf Privatwirtschaftsförderung beginnt keineswegs erst in den Partnerländern. Sie beginnt häufig schon hier in Deutschland, bei Unternehmen, die wir bei ihrer Internationalisierung begleiten.

Jan Müller: Die Unterstützung deutscher Unternehmen gehört zur Gründungsidee der DEG. Angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage gewinnt dieser Auftrag weiter an Bedeutung. Die Interessen der deutschen Wirtschaft und die Entwicklungszusammenarbeit sind für uns keine Gegensätze: Wenn deutsche Unternehmen erfolgreich im Ausland investieren, sorgen sie für Wertschöpfung und Beschäftigung in den Partnerländern und stärken zugleich ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Wie erlebt ihr derzeit die Stimmung bei deutschen Unternehmen?

Jan Müller: Die Stimmung ist eher moll. Das schwache Wachstum in Deutschland und die globalen Herausforderungen belasten viele Unternehmen. Gerade mittelständische und familiengeführte Unternehmen überlegen heute sehr genau, ob sie im Ausland investieren oder den Schritt in einen neuen Markt wagen. Dennoch hat der deutsche Mittelstand ein enormes Potential und ist immer noch das Powerhouse in Europa. Es wird häufig schlechter geredet als die Substanz eigentlich ist. Wir können den Unternehmen dabei zusätzlich Sicherheit geben, weil wir internationale Investitionen häufig begleitet haben, über ein starkes Netzwerk vor Ort verfügen und langfristig an ihrer Seite bleiben.

Eva Miriam Fuchs: Wir leben in einer sehr volatilen Zeit. Unternehmen können sich nicht mehr ohne Weiteres auf stabile Handelsabkommen, freie Transportwege oder eingespielte Lieferketten verlassen. Unsere Kunden schätzen es sehr, dass wir in unruhigen Zeiten ein ruhiger Partner sind. Wir begleiten Unternehmen zudem bei strategischen Anpassungen, beispielsweise wenn sie ihre Produktion näher an wichtige Absatzmärkte verlagern oder ihre Liefer- und Produktionsstrukturen breiter aufstellen wollen.

Wie unterstützt die DEG deutsche Unternehmen konkret bei ihren Auslandsinvestitionen?

Eva Miriam Fuchs: Am Anfang steht häufig eine langfristige Finanzierung. Wir sind bereit, in Entwicklungs- und Schwellenländer zu gehen, in denen sich deutsche Hausbanken zuweilen mit einer Finanzierung schwertun. Die DEG kann die Risiken dort gut einschätzen und passende Finanzierungsstrukturen entwickeln. Dabei treten wir nicht in Konkurrenz zu den Hausbanken, sondern ergänzen ihr Angebot.

Unser Spektrum reicht von kleinen Finanzierungen ab 500.000 Euro bis zu großen syndizierten Finanzierungen von mehr als 100 Mio. Euro. So können wir Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Bedarfen und über mehrere Entwicklungsschritte hinweg begleiten.

Jan Müller: Auch bei der Art der Investition sind wir flexibel. Wir begleiten Unternehmen beim erstmaligen Eintritt in einen Markt, beim Aufbau neuer Produktionsstätten und bei der Erweiterung bestehender Werke. Entscheidend ist, dass es sich um eine langfristige private Investition in einem Entwicklungs- oder Schwellenland handelt. Dann schauen wir uns das Vorhaben ergebnisoffen an und erarbeiten eine möglichst passende und pragmatische Lösung.

Was unterscheidet die DEG von anderen Finanzierungspartnern?

Jan Müller: Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir die lokale Gesellschaft direkt im Zielland finanzieren können. Wir zahlen die Mittel dort aus und übernehmen die damit verbundene Administration. Geschäftsbanken finanzieren dagegen häufig die deutsche Muttergesellschaft, die die Mittel dann weitergibt. Außerdem können wir zunehmend Finanzierungen in Lokalwährungen anbieten. Das hilft Unternehmen, Wechselkursrisiken zu begrenzen.

Hinzu kommen unsere Erfahrung vor Ort und die Zugehörigkeit zur KfW Bankengruppe. Wenn beispielsweise Genehmigungsverfahren stocken oder Währungstransaktionen nicht freigegeben werden, können wir über unser Netzwerk und im Zusammenspiel mit der KfW und weiteren deutschen Akteuren den Unternehmen zur Seite stehen. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Herausforderungen ist es gut, wenn bei Auslandsinvestitionen auch der Bundesadler Unternehmen den Rücken stärkt.

Eva Miriam Fuchs: German Business bedeutet für uns: Wir begleiten deutsche Unternehmen, fördern deutsche Wertschöpfung und mobilisieren deutsches Kapital für Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Wir sind pragmatisch und wirtschaftsnah. Innerhalb der KfW Bankengruppe können wir uns eng abstimmen und Lösungen miteinander verbinden. Für unsere Kunden ist das insbesondere dort hilfreich, wo es zum Beispiel Anknüpfungspunkte zur KfW IPEX-Bank gibt.

Welche Bedeutung haben Umwelt- und Sozialstandards bei einer Finanzierung durch die DEG?

Jan Müller: Früher wurden Umwelt- und Sozialprüfungen von manchen Unternehmen eher als Pflichtübung betrachtet. Heute fragen viele Unternehmen eine solche externe Perspektive aktiv nach. Gerade bei weit entfernten Tochtergesellschaften können wir Risiken erkennen, die auch für die Unternehmenszentrale und die Eigentümer relevant sind. Das betrifft nicht zuletzt mögliche Reputationsrisiken.

Eva Miriam Fuchs: Erst letzte Woche hat mir ein Unternehmer berichtet, dass ihm die gründliche Prüfung der DEG bei einer früheren Transaktion zusätzliche Aspekte aufgezeigt habe, an die das Unternehmen selbst nicht gedacht hatte. Solche Risiken bereits vor einer Investition zu erkennen und auszuräumen, ist ein konkreter Mehrwert, den die DEG bietet. Unsere Umwelt- und Sozialprüfung ist daher nicht nur eine Anforderung, sondern steigert die Qualität und langfristige Stabilität einer Investition.

Wann sollten Unternehmen mit der DEG Kontakt aufnehmen?

Eva Miriam Fuchs: Am besten so früh wie möglich. Je früher wir einbezogen werden, desto besser können wir das Unternehmen beraten und gemeinsam eine tragfähige Finanzierung entwickeln. Viele Unternehmen kommen auf Empfehlung anderer zu uns. Darüber hinaus können Unternehmen uns einfach über die DEG-Website kontaktieren.

Jan Müller: Es kostet selbstverständlich nichts, mit uns zu sprechen und sich beraten zu lassen. Wir können unser Netzwerk zur Verfügung stellen und gemeinsam überlegen, welcher Standort, welche Investitionsstruktur und welche Finanzierung für das jeweilige Vorhaben geeignet sind. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Außenbüros in wichtigen Zielländern, den Standorten der KfW und den deutschen Auslandshandelskammern zusammen.

Kontakt

DEG-Pressestelle

Kämmergasse 22

50676 Köln