Meldung vom 23.03.2026 / DEG
Lit.COLOGNE 2026: Literatur aus Ruanda in der DEG
Die mehrfach ausgezeichnete ruandische Schriftstellerin Scholastique Mukasonga präsentierte anlässlich des internationalen Literaturfestivals lit.COLOGNE 2026 ihr jüngst auf Deutsch erschienenes Werk „Sister Deborah“ im Atrium der DEG.
Das Buch, das es auf die Longlist des SPIEGEL Buchpreises geschafft hat, erzählt die eindrucksvolle Geschichte einer US‑Missionarin im Ruanda der 1930er Jahre. Ihre Vision eines weiblichen Messias führt zu Konflikten mit Kirche und Kolonialmacht – und hallt noch Jahrzehnte später nach, wenn die Akademikerin Ikirezi der Wahrheit hinter Deborahs Verschwinden nachspürt.
Moderiert wurde die Lesung von der Literaturwissenschaftlerin und ehemaligen Kölner Bürgermeisterin Angela Spizig. Sie führte die rund 350 Gäste im DEG-Atrium engagiert durch den Abend und öffnete Raum für Kontext und tiefere Einordnung.
Erinnerung an den Völkermord und persönliche Verluste
In Ruanda führten Konflikte zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi 1994 zu einem grausamen Völkermord an der Tutsi-Minderheit mit bis zu einer Million Opfern. Scholastique Mukasonga verlor 37 Angehörige ihrer eigenen Familie, einschließlich ihrer Mutter. „Ich musste schreiben aus Angst, die Erinnerung daran zu verlieren“, berichtete sie im Gespräch mit Angela Spizig. Dass sie überhaupt zur Schule gehen konnte, sei ein seltenes Privileg gewesen – nur rund zehn Prozent der Tutsi‑Kinder hätten damals die Möglichkeit gehabt. Heute sieht Mukasonga, die seit 1992 in Frankreich lebt, es als ihre Aufgabe, die Erinnerung und den Schmerz in Form von Geschichten weiterzutragen. Nicht als Autorin, sondern als Erzählerin verstehe sie sich: als jemand, die verschüttete Erfahrungen wieder ans Licht bringt. „Meine Bücher sind wie Grabsteine für die Menschen, die nicht mehr leben.“
Stimmungsvolle Lesepassagen von Maddy Forst
Ein besonderes Highlight des Abends war der eindringliche Vortrag der Schauspielerin Maddy Forst, die ausgewählte Passagen aus der deutschen Übersetzung des Romans las. Zum Abschluss kam sie auch auf ein anderes Herzensprojekt zu sprechen: Die Inszenierung ihrer Abschlussarbeit „In meiner Haut“, für die sie mit dem Folkwang Preis ausgezeichnet wurde, am Schauspiel Essen.
Die DEG ist langjährige Partnerin der lit.COLOGNE und öffnet regelmäßig ihre Türen für eine Lesung, um Autorinnen und Autoren aus Partnerländern eine Bühne zu geben und kulturellen Austausch zu fördern. Im vergangenen Jahr war die peruanische Schriftstellerin Gabriela Wiener mit ihrem Buch „Unentdeckt“ anlässlich der lit.COLOGNE in der DEG zu Gast.
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